Von Dr.  Peter Schütze

Dieser Titel hat Bastian Schmitz noch gefehlt. Sechsmal war er seit 2002 Clubmeister bei Royal Saint Barbara´s, genauso oft gewann er dort die Open, 2006 wurde er Dortmunder Stadt-Champion, dann verzog er beruflich und sportlich in die Pfalz; heimgekehrt wechselte er im Herbst 2018 in die Reichsmark, jetzt setzte er sich dort die Club-Krone auf, jetzt ist der 34-Jährige, im August mit dem Herrenteam in die 2. Bundesliga aufgestiegen, endgültig in seinem neuem Club angekommen.

Der neue Meister begann relativ schwach. Mit 75 Schlägen geriet er gegenüber dem beim Einschlagen mit sich hadernden, dann aber furios startenden Matthias Tischler (68) mit sieben Schlägen in Rückstand. Doch bereits auf der zweiten Runde  hatte Schmitz diese Differenz wettgemacht und  war sogar mit einem Schlag (143:144) in Führung gezogen. Zu diesem Zeitpunkt, also vor dem finalen Durchgang, hatten praktisch nur noch er, der viermalige, aber schwächelnde DOGC-Champion Tischler und Jasper Schürmann (144)  echte Aussichten auf den Titel. Schmitz, der älteste in diesem Trio,  ließ seinen beiden Konkurrenten aber nicht den Hauch einer Chance. Mit beeindruckender Konstanz und Konzentration spulte er die zweite 68er-Runde nacheinander mit jeweils nur zwei Bogeys aber sechs Birdies ab. „Bastian wirkte wie entfesselt“, lobte ihn Head-Pro Holger Böhme.

„Am Samstag war ich noch ein bisschen steif, wie es einem AK-30-Spieler manchmal geht“, scherzte der spätere Primus, „Sonntag hatte ich den richtigen Rhythmus, da stimmten die meisten Details, da war´s echter Spaß.“ Seinen Leistungsaufschwung und seine Konstanz auf hohem Niveau führt Bastian Schmitz auf den Clubwechsel zurück. „Da sind Leidenschaft für diesen Sport, Freude am Wettkampf, am Umgang mit den Kollegen, auch am Leistungsdruck neu erwacht. Neuer Trainer, neue Herausforderungen, neue Umgebung- das alles war stark motivierend, hat mir gut getan“, berichtet der neue Champion.

Vier Schläge hinter Schmitz kam Fredrik Strandberg ein, der wenige Tage zuvor das von 13 Nationen beschickte RB Junior Golf-Turnier im Hofgut Georgenthal im Taunus (76+69+72) gewonnen hatte. Der 18-jährige verlor gegenüber dem späteren Champion auf der zweiten Runde (75) den entscheidenden Boden, so dass ihn auch glänzende 68 auf dem finalen Durchgang nicht mehr halfen.

Einen glänzenden dritten Platz erspielte sich Jasper Schürmann, dem Vater Achim wegen der starken Studien-Belastung keine führende Rolle zugetraut hatte. Nach zwei Durchgängen war Schürmann dem führenden Schmitz sogar noch bis auf einen Schlag auf den Fersen und spielte auch noch zum Ende eine Par-Runde. Zum Schluss war auch noch Moritz Ostermann mit 71 bärenstark, während der nach den ersten 18 Löchern mit 68 Schlägen führende viermalige Champion Matthias Tischler sein hohes Anfangsniveau nicht halten konnte. Hinter den Erwartungen zurück blieb auf dem achten Rang Titelverteidiger Lars Sondermann, dem eine mäßige zweite Runde (80) den Score verdarb.

Ein Jubiläum feierte Ilka Kummer: Sie gewann ihren zehnten Clubtitel der offenen Klasse. Nach neun aufeinander folgenden Siegen ab 2006 beendete sie jetzt die 2015 eingeläutete Regentschaft von Andrea Marx mit einer  80-83-80-Serie und zwei Schlägen Vorsprung vor der Stadtmeisterin Vicky Drewe, die 84-81-80 = 245 spielte.

Das Positive an der vom Ergebnis enttäuschenden Konkurrenz war, dass sich zwischen den  beiden Routiniers Ilka Kummer und Andrea Marx drei junge Spielerinnen platzierten: Vicky Dreve (19) verspielte ihre Chancen mit einer 84 auf der ersten Runde, ihre Scores auf den Durchgängen zwei und drei waren die besten des Spitzen-Quintetts. Anna Lina Hillmann (17), die sich auf der ersten Runde (80) unterspielte, überraschte ihren Papa mit ihrem Durchhaltevermögen, auch wenn sie auf der dritten Runde der ungewohnten Belastung von 54 Löchern an zwei Tagen Tribut zollen musste. Die eigentliche Überraschung war Liza Charlotte Schulte (17), die sich zum Schluss mit 80 noch unterspielte.

Insgesamt fand DOGC-Präsidentin Andrea Marx,  mit ihrer eigenen sportlichen Ausbeute nicht zufrieden, die Beteiligung an der Damen-Entscheidung bemerkenswert. „Immerhin waren schon die Meisterschaften der Altersklassen 50 und 65 vorausgegangen, so dass manche Meldung – auch angesichts der angekündigten Sahara-Hitze am Samstag – ausblieb.“

„Nach gefühlt langer Zeit habe ich in kurzer Zeit viel Golf gespielt, was ich am Montag körperlich auch gemerkt habe“, blickte Ilka Kummer auf ihre 54 Meisterschafts-Bahnen zurück, „aber es hat wieder Spaß gemacht, auch wenn das Ganze von den Ergebnissen her optimierbar war.“ Sie habe sich gewünscht, wenigstens einmal ihr Handicap spielen zu können. Bei ihren Scores sei schon mehr drin gewesen, aber sie habe sich mehrfach verputtet. „ Nach neun Titeln für Ilka Wolf war das aber mein erster für Ilka Kummer, es soll nicht der letzte gewesen sein.“